Aufblasbarer Gigant im Einsatz

Montag, 14. Juli 2014

Die "Feuertaufe" des LFV-SH beim ersten Testaufbau in Borgdorf-Seedorf am Freitag. Die Erleichterung ist groß: Sie ist so geworden, wie sie geplant war.

Landesbrandmeister Detlef Radtke (r.) und Öffentlichkeitsreferent Holger Bauer weihten die Anlage mit dem ersten Durchgang ein. Kommentar: Tolle Sache!

Die Jungs der Band "Marquess" gehörten zu den ersten, die die "Feuertaufe" testeten und waren hinter begeistert. "Tolle Sache, die die Feuerwehr da macht", sagte Sänger Sascha Pierro (2.v.r.)

Am Büsumer Hauptstrand war die "LFV-Feuertaufe" die Attraktion bei der NDR-Sommertour

Das war ne ganz knappe Nummer: Erst kurz nach der TV-Livesendug konnte die FF Büsum mt den Zuschauern die Stadtwette für sich entscheiden.

Moderator Jan Bastick fieberte mit.

Die Planungen liefen rund ein halbes Jahr. Es wurde diskutiert, gezeichnet, wieder verworfen, neu gezeichnet und schließlich ein Auftrag erteilt. Doch was dann in der vergangenen Woche per Luftfracht aus China in Kiel eintraf, übertraf dann auch die Erwartungen aller Beteiligten. Worum geht's?

Der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein hat für die Öffentlichkeitsarbeit ein aufblasbares Aktionsmodul bauen lassen, dass in dieser Form wohl weltweit einzigartig ist. Drei Gebläse mit 4,5 KW hauchen der riesigen PVC-Hülle Leben ein. Wenn die Hülle mit ungezählten Kubikmetern Luft gefüllt ist, bildet sie ein gigantisches Feuerwehrfahrzeug, das vor einem brennenden Gebäude steht. Links und rechts kann man eintauchen in einen Hindernisparcours, der auch den vier Meter hohen Aufstieg in das „brennende Gebäude“ beinhaltet, und per Rutsche geht´s dann wieder nach unten. „Willkommen zur Feuertaufe“ steht über den Eingängen und der Name ist Programm. „Mit dieser Anlage haben wir ein einzigartiges Mittel zur Öffentlichkeitsarbeit“, betonte Landesbrandmeister Detlef Radtke beim ersten Testaufbau auf dem Campingplatz BUM in Borgdorf-Seedorf am Freitag. Rund 40 Kameraden aus verschiedenen Feuerwehren waren der Einladung des LFV zu diesem Termin gefolgt. Dabei handelte es sich um die Wehren, die in den nächsten Wochen in die Veranstaltungsreihe „NDR-Sommertour“ eingebunden sind, bei der der LFV SH ideeler Partner ist. Auch die Helfer zur NORLA waren dabei. Alexander Pohns von der Herstellerfirma TAT-Team aus Schinkel sorgte für eine fundierte Einweisung in die Technik der Anlage, damit später bei Auf- und Abbau und Betrieb auch immer alles reibungslos klappt.

Die „Riesen-Hüpfburg“ hat beachtliche Dimensionen: Bestehend aus drei einzelnen Modulen benötigt sie eine Grundfläche von 10 x 12 Metern und ragt 7 Meter in die Höhe. Transportiert werden die 700 Kilogramm schwere Folie und das technische Zubehör in einem Zweiachsanhänger. Die Grafik entwarf Andreas Vehrs aus Molfsee. Die technische Umsetzung kam vom TAT-Team aus Schinkel, die auch die Verbindung nach China hat. Den passenden Anhänger lieferte die Fa. Bock aus Owschlag. Gekostet hat die Anlagte mit allem Zubehör rund 30.000 Euro. Das Geld kam vom Land Schleswig-Holstein aus den Abgaben der Online-Glücksspiellizenzen. Es wird dem LFV SH zweckgebunden für Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung gestellt.

Zum Einsatz kommt die „Feuertaufe“ in diesem Jahr zunächst bei den sieben NDR-Sommertour-Stationen (siehe Programmhinweise auf der LFV-SH-Startseite), der NORLA vom 4.-7.9. in Rendsburg und der Einweihung der neuen BF-Wache in Neumünster im Oktober. Danach werden Erfahrungen ausgewertet, eventuelle Verbesserungen umgesetzt und ab 2015 soll die Anlage dann auch von Feuerwehren oder Feuerwehrverbänden gemietet werden können. Die Bedingungen hierzu werden im Winterhalbjahr erarbeitet und zu gegebener Zeit im LFV-Newsletter veröffentlicht. Der erste Termin steht aber schon fest: Im Juni 2015 wird die Anlage ein optischer Anziehungspunkt der Firma Ziegler auf der INTERSCHUTZ in Hannover sein – aus diesem Grund, ist das „Feuerwehrauto“ auch im Ziegler-Design gefertigt worden. Für die erste Präsentation und Einweihung kam daher sogar Ziegler-Marketingchef Stefan Swoboda aus Giengen angereist und zeigte sich begeistert: „Was der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein an Marketing auf die Beine stellt, ist sehr professionell.“

Der erste Auftritt: NDR-Sommertour in Büsum

Am Samstag stand dann der erste Einsatz im „Echtbetrieb“ für die neue Feuerwehr-Eventanlage „Feuertaufe“ an: Am Hauptstrand in Büsum startete die NDR-Sommertour, bei der der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein zum zweiten Mal in Folge ideeler Partner ist. Bei herrlichstem Sommerwetter kamen rund 10.000 Menschen und feierten mit dem NDR. Die „Feuertaufe“ war dabei ein magischer und weit zu sehender Anziehungspunkt für Groß und Klein. Aus dem ursprünglichen Plan, Kinder im Wettbewerb auf den beiden Parcourbahnen gegeneinander antreten zu lassen, wurde nix. Die Anlage wurde von hunderten Kindern förmlich überrannt. Die Helfer der FF Büsum und der FF Wesselburen hatten Mühe den Ansturm zu bewältigen – meisterten die Aufgabe aber hervorragend. Und natürlich testeten alle Helfer die Anlage selbst auch. Da wurden aus gestandenen Feuerwehrleuten wieder begeisterte Kinder. Und auch prominenter Besuch zeigte sich hinterher begeistert: Die Jungs der Band „Marquess“, die am Abend ein umjubeltes Konzert gaben, ließen es sich nicht nehmen und stürmten die Anlage. „Der totale Hammer. Eine tolle Sache, die die Feuerwehr da macht“ lobte hinterher Sänger Sascha Pierro. Bandkollege Christian Decker hätte am liebsten seinem kleinen Sohn die Anlage gezeigt und sein Kollege und Bruder Dominik Decker wollte am liebsten gleich nochmal eintauchen in die „Feuertaufe“. Kaum waren „Marquess“ Richtung Bühne entschwunden, kamen NDR-Moderator Dennis Brandau und Kollege Jan Röschmann vorbei. Brandau war trotz bekennender Höhenangst hinter begeistert und schickte sofort Ehefrau und Tochter durch die „Feuertaufe“.

Die FF Büsum um Wehrführer Andreas Genthe hatte an diesem Tag das Zepter in der Hand, um die „Stadtwette“ gegen den NDR zu gewinnen. Und das wurde zur Zitterpartie – denn erst schien es, als hätten die Büsumer die Wette verloren: Innerhalb von 15 Minuten sollte die Feuerwehr mit Unterstützung aller Zuschauer den Büsumer Leuchtturm mit 2500 Wasserbällen nachbauen, in dem diese über die Drehleiter in ein Netz geworfen wurden. Alle Beteiligten haben sich beachtlich ins Zeug gelegt, pusteten Wasserbälle auf und stapelten sie in das große Netz. Die Moderatoren Jan Bastick und Vèrena Püschel waren sich einig: Der NDR hat die Wette gewonnen. Doch kurz nachdem die Liveübertragung im Fernsehen beendet war, passierte das Unglaubliche: Der Ballpfropfen oben im Netz löste sich - und der Leuchtturm wurde doch noch sichtbar. Die Moderatoren Vèrena Püschel und Jan Bastick waren völlig baff: Die Wette ist ganz und gar überraschend dank des fleißigen Einsatzes der Büsumer und ihrer Unterstützer doch noch gewonnen worden.

Nächste Gelegenheit, um in die neue „LFV-Feuertaufe“ eintauchen zu können, ist am kommenden Samstag, dem 19. Juli, von 16 bis 20 Uhr bei der nächsten Station der NDR-Sommertour in Kronshagen.

Text/Fotos: Holger Bauer