Podiumsdiskussion: Respekt gegenüber Helfern ist verloren gegangen

Mittwoch, 14. November 2018

Zu einem Thema, „dass es eigentlich gar nicht geben dürfte” – so Moderator Andreas Otto – lud die FDP-Landtagsfraktion ein: „Steigende Gewalt gegen Einsatzkräfte als gesamtgesellschaftliches Problem”. Auf dem Podium vor über 80 Gästen im Kieler „Treibgut” saßen hochrangige Vertreter, die was zu sagen hatten: Der stellv. FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, Landespolizeidirektor Michael Wilksen und Landesbrandmeister Frank Homrich.  

Polizeihauptkommissarin Julia Engewald beeindruckte zunächst mit einem beklemmenden Erlebnisbericht über gewalttätige Einsätze aus ihrem polizeilichen Tagesgeschäft  und deren Folgen. Das Gefühl für den Schutzmann als Hüter und Bewahrer sei vielerorts in der Gesellschaft verloren gegangen, so Wolfgang Kubicki. Umso bewundernswerter sei es, dass sich die Polizisten zu ihrer Arbeit bekennen und sich nicht abschrecken lassen, eröffneten Oliver Malchow und Michael Wilksen die Gesprächsrunde. LBM Homrich erweiterte die Statements auf das Ehrenamt in der Feuerwehr und beklagte, dass Verfahren – sofern sie überhaupt angeschoben werden – häufig eingestellt werden. Kubicki unterstrich dies, mahnte auch schnellere Justizarbeit an – bezweifelte aber, ob härtere Strafen letztlich etwas bewirken. „Ich bin für einen robusten Umgang mit denen, die Gewalt wollen”, so Kubicki. Zudem sei eine zunehmende Respektlosigkeit in der Gesellschaft auf vielen Ebenen erkennbar und Gewalt gegen Einsatzkräfte sei nur ein Teil davon. „Wenn Leute an einer Unfallstelle erstmal fotografieren anstatt zu helfen, dann stimmt in dieser Gesellschaft etwas nicht.”

LBM Frank Homrich regte an, das Thema insgesamt immer stärker und breiter in die Öffentlichkeit zu tragen, um ein Umdenken zu bewirken. Als gelungenes Beispiel einer solchen „Strategie” nannte er das Thema „Rettungsgasse”. Hier sei ein deutlich besseres Bewusstsein in den letzten Jahren zu beobachten. Das sogenannte „Gafferproblem” sei zudem in allen Bevölkerungsschichten zu beobachten. Mit der Anschaffung von z.B. mobilen Sichtschutzwänden würde nur ein Symptom bekämpft aber das Problem nicht an der Wurzel gepackt, so der Landesbrandmeister.

Die Runde war sich am Ende einig, das Thema „Gewalt”, aber auch „Gaffer” weiter öffentlich zu machen und Respekt gegenüber allen Helfenden zu propagieren. Ein Mittel hierzu sei, so Frank Homrich, sicher auch die Brandschutzerziehung, wo Kindern bereits vermittelt wird „Wir helfen Euch und ihr habt nichts durch uns zu befürchten.”