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Aktuelle Mitteilungen

18.04.2007

Mit neuen Ideen gegen den Mitgliederrückgang

KIEL. Sie sind immer da, wenn die Bürger sie rufen – zu jeder Tages- und Nachtzeit – und sie helfen aus nahezu allen Notsituationen: Die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren in Schleswig-Holstein.

Rund 48.000 gibt es von ihnen im Land in 1.419 Freiwilligen Feuerwehren. Dem gegenüber stehen nur vier Berufsfeuerwehren in den kreisfreien Städten Flensburg, Kiel, Neumünster und Lübeck. Aber auch dort helfen Freiwillige Feuerwehren in jedem Stadtteil den Hauptamtlichen. Das flächendeckende engmaschige Netz der Hilfeleistungsorganisation Freiwillige Feuerwehr ist weltweit führend.

Neben der klassischen Aufgabe der Brandbekämpfung kommen die Wehren aber vermehrt bei technischen Einsätzen, Gefahrgut-Unfällen und Unwetterlagen zum Einsatz. Daneben leisten sie Prävention in Schulen und Kindergärten und sind unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in den Dörfern, Gemeinden und Städten des Landes.

„Wir haben in jeder Gemeinde eine Filiale und unser Produkt ist begehrt wie kein zweites: Sicherheit“, sagte der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein, Detlef Radtke, im Rahmen eines Pressegespräches am Mittwoch (18.4.) in Kiel.

Dennoch haben die Feuerwehren ein großes Problem: Ihnen fehlen mehr und mehr Mitglieder. In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Einsatzkräfte von 56.000 auf 48.758 (48.784). Dazu kommen 688 Beamte der vier Berufsfeuerwehren (702), 1.103 (1.072) Mitglieder der Werks- und Betriebsfeuerwehren sowie die 9.407 (9.528) Mädchen und Jungen in den 403 (397) Jugendfeuerwehren. (In Klammern die Zahlen des Vorjahres).

Die Gründe für die sinkenden Zahlen der Aktiven sind vielfältig:
- Demografische Entwicklung
- Direkter Wettbewerb mit anderen Organisationen und Vereinen
- Geändertes Freizeitverhalten
- Höhere Beanspruchung im Beruf.
- Gesunkenes Verständnis des Arbeitgebers für notwendige Freistellung, u.v.m.

Und auch bei den Jugendfeuerwehren, die seit Jahrzehnten neben vielfältiger Jugendarbeit auch einen Großteil der Nachwuchskräfte lieferten, ist in diesem Jahr erstmals seit 20 Jahren ein leichter Mitgliederrückgang um 121 zu beobachten.

Der teilweise dramatische Rückgang der Mitgliederzahlen wird sich mittelfristig auf die Einsatzbereitschaft so mancher örtlichen Feuerwehr auswirken und das Hilfeleistungssystem „Feuerwehr“ ernsthaft gefährden. Die Hauptamtlichkeit als Alternative ist weder finanziell noch effektiv zu leisten. Denn nur eine Funktionsstelle eines Berufsfeuerwehrmannes (Dreifachbesetzung) schlägt pro Jahr mit rund 250.000 Euro zu Buche. Bei einer neunköpfigen Besatzung nur eines einzigen Löschfahrzeuges sind das 2,25 Millionen Euro. Freiwillige Feuerwehren arbeiten dagegen unentgeltlich. Lediglich für zeit- und aufgabengerechte Technik muss die Gemeinde als Träger sorgen.

So sehr die Kurve der Mitgliederentwicklung auch nach unten zeigt, so stark steigt sie bei der Zahl der Einsätze an. 37.074mal wurden die 1408 Freiwilligen Feuerwehren des Landes im Jahre 2006 angefordert. 7.557mal mussten Brände bekämpft werden (2005 = 7.175) und 24.993mal galt es, technische Hilfeleistung z.B. bei Unfällen oder Wetterlagen zu leisten (2005 = 21.017). Was jedoch die Ehrenamtlichen besonders ärgert ist die erneut gestiegene Anzahl der Fehlalarmierungen, die von 3.551 auf 4.524 gestiegen ist. In diese Sparte entfallen allein 3.524 Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen.

Radtke: Wir können die demografische Entwicklung nicht umkehren, aber wir können verstärkt darauf aufmerksam machen, was für ein tolles und erfüllendes Hobby Feuerwehrdienst sein kann.“ Das versucht der Verband nun mit einer Image- und Werbekampagne, die vom Innenministerium Schleswig-Holstein gefördert wird. Im Fokus stehen dabei nicht nur junge Männer, sondern verstärkt auch Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund.

Im Mittelpunkt der Kampagne stehen so genannte „Mitmachtage“, bei denen die Bürger selbst einmal das Gefühl erleben können, Feuerwehrmann oder –frau zu sein. Am 28.4. wird ein solcher Mitmachtag in der Kieler Holstenstrasse stattfinden. Weitere sind in den Kreisen Segeberg, Plön und Pinneberg und im September auf der Norla geplant. Diese sollen Anreiz sein für jede Feuerwehr im Lande, das Konzept aufzugreifen und sich professioneller selbst darzustellen. Detlef Radtke: „Wir wollen damit auch erreichen, dass wir von dem Wir-sind-einfach-so-da-Effekt wegkommen und die Menschen Feuerwehr wieder bewusster wahrnehmen – und dann vielleicht sogar für sich entscheiden, bei uns mitzumachen.“

Weitere Bausteine der Kampagne sind die Erstellung eines Imagefilms in Zusammenarbeit mit der Stadt Büdelsdorf, sowie die Entwicklung einer Plakatserie und Anzeigenmotive mit z. T. provozierenden Motiven, von denen sich ein höherer Aufmerksamkeitswert erhofft wird, wie von herkömmlichen Motiven. Als medienwirksamer Baustein der Kampagne sollen Termine mit Eventcharakter einen Gegenpol bilden zur alljährlichen „Jahreshauptversammlung-Berichterstattung“. Im vergangenen Jahr war dies bereits die Aktion mit der „Größten Glückwunschkarte Schleswig-Holsteins“ anlässlich der Gründung der 400. Jugendfeuerwehr. In diesem Jahr werden es Veranstaltungen rund um den 125jährigen Geburtstag der „ältesten Jugendfeuerwehr der Welt“ sein. Dieses bislang einmalige Jubiläum begeht die Jugendfeuerwehr Oevenum auf Föhr. Im Rahmen eines Empfanges für die Oevenumer wird Ministerpräsident Peter Harry Carstensen am 15. Mai den Startschuss für eine Veranstaltungsreihe rund um diesen Geburtstag geben.

Detlef Radtke: „Alle Maßnahmen sind als begleitende Unterstützung für unsere Feuerwehren vor Ort gedacht. Denn nach wie vor sind die persönlichen Gespräche mit potentiellen neuen Mitgliedern das A&O einer erfolgreichen Mitgliederwerbung.“



Verantwortlich für diesen Pressetext: Holger Bauer, stellv. Pressesprecher, Landesfeuerwehrverband SH, Tel. 0431 / 6032195.


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