RENDSBURG. Der Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein wird technisch weiter aufgerüstet. Innenminister Lothar Hay stellte am Montag (2. März) in Rendsburg zehn Lastkraftwagen für die Dekontamination in Dienst. Diese Spezialfahrzeuge transportieren das Gerät, mit dessen Hilfe Einsatzkräfte und zivile Personen nach einem Unfall mit gefährlichen Stoffen hygienisch gereinigt und dekontaminiert werden. Die Lastwagen sind beispielsweise mit Duschzelten, Duschwannen, Wasserdurchlauferhitzer, Zeltheizung, Schmutzwasserpumpen und Wasserbehältern beladen.
Die zehn Dekontaminationsfahrzeuge kosten zusammen mit der Spezialausrüstung insgesamt zwei Millionen Euro. Die Kosten übernimmt der Bund. Jeweils ein Spezialfahrzeug wird in Neumünster sowie in den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen, Schleswig-Flensburg, Steinburg, Stormarn, Ostholstein, Plön, Segeberg und Pinneberg stationiert. Die Spezialausrüstung fehlt noch; sie wird derzeit beschafft und so schnell wie möglich ausgeliefert.
15 weitere Fahrzeuge wurden auf die übrigen Bundesländer verteilt, erklärte MdB Bettina Hagedorn, die als Mitglied des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages für die finanzielle Absicherung des Programms mit zuständig ist.
„Die Auslieferung der Fahrzeuge ist der Beginn eines Programms, mit dem der Bund innerhalb der nächsten 14 Jahre seine Ausstattung grundlegend umstrukturieren und den künftigen Erfordernissen anpassen wird“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, der eigens aus Bonn angereist war. „Mit der Zuteilung von 10 Fahrzeugen an das Land Schleswig-Holstein hat der Bund auf den im Vergleich zu den anderen Ländern relativ niedrigen Bestand reagiert und den Gesamtfehlbestand auf zwei Fahrzeuge reduziert“, so Unger. Insgesamt, so Unger werden den Ländern im Rahmen des ergänzenden Katastrophenschutzes des Bundes in den nächsten Jahren rund 5000 Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. So seien 280 KTW derzeit bestellt – 21 davon bekommt Schleswig-Holstein. Im Bereich des Brandschutzes befinden sich die Ausschreibungsverfahren für Löschgruppenfahrzeuge und Schlauchwagen kurz vor der Vergabe. Im 2. Quartal 2010 wird mit der Auslieferung der ersten Fahrzeuge gerechnet.
Innenminister Lothar Hay bezeichnete Investitionen in den Katastrophenschutz als sinnvoll und unverzichtbar. Seit 2004 habe das Land zusammen mit den Kreisen und kreisfreien Städten mehr als sieben Millionen Euro investiert, um die Ausstattung für den Katastrophenschutz zu verbessern. Noch wichtiger als das Geld sei jedoch das ehrenamtliche Engagement der Frauen und Männer. "Wir können auf die vielen freiwilligen Helfer nicht verzichten", sagte der Minister und ergänzte: „Kommunalpolitiker, die für die Zusammenlegung oder gar Auflösung von Feuerwehren plädieren, sollten lieber zurücktreten.“ Die hohe Motivation und Professionalität der Feuerwehren seien Garanten für eine erfolgreiche Bewältigung von Katastrophen.
Stichwort:
„Dekontaminationslastkraftwagen Personen 2“ (Dekon-LKW P)
Die Fahrzeuge wurden auf einem MAN TGM 18.280 4x4 BB von der Firma Empl Fahrzeugbau GmbH in Elster aufgebaut. Sie wiegen jeweils 9 Tonnen und haben ein zulässiges Gesamtgewicht von 17.100 Kilogramm. Die 1000 Kilogramm hebende Ladebordwand am Heck kommt von Dautel. Die Fahrzeuge sind zurzeit nur mit der Bordausstattung bestückt, die zugehörige Fachdienstausstattung wird später nachgeliefert.
Der „Dekontaminationslastkraftwagen Personen 2“ führt Personal in der Stärke von 0/1/5/6 und Ausstattung zur Dekontamination und der hygienischen Reinigung der Einsatzkräfte sowohl im autarken Einsatz als auch bei der Nutzung des öffentlichen Wasser- und Stromnetzes mit. Die Ausstattung des Fahrzeuges erfüllt die Anforderungen der Trinkwasserverordnung. Darüber hinaus kann er den Betrieb stationärer Dekontaminationsanlagen unterstützen und ist mit seiner universell nutzbaren Ladefläche sowohl zur Versorgung der aufgebauten Dekon-Anlage insbesondere mit Wasser als auch allgemein als Nachschubfahrzeug einsetzbar.
Die Dekontamination der mit Schutzausrüstung eingesetzten Kräfte und damit das gefahrlose Ablegen der Schutzausrüstung direkt am Einsatzort sind durch die Geländegängigkeit des Fahrzeugs gewährleistet. Durch die Ausstattung mit einem Fahrzeugfunkgerät FuG 8b-1 ist die kommunikative Anbindung an die jeweilige Leitstelle gegeben. Nach Fortschritt der Einführung des Digitalfunkes werden entsprechende Endgeräte beschafft und eingebaut. Das Fahrzeug enthält zusätzlich Aufnahmemöglichkeiten für die persönliche ABC-Schutzausstattung.
450 Fahrzeuge Dekon P werden insgesamt bundesweit entsprechend den Vorgaben der FwDV 500 räumlich den 450 ABC-ErkKW in der Fläche zugeordnet, da bei jedem ABC-Einsatz entsprechende Maßnahmen zur Dekontamination der Einsatzkräfte getroffen werden müssen.
Text / Fotos: Holger Bauer
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